Politik ist weit mehr als das, was abends in den Nachrichten zu sehen ist – sie wird von Menschen gemacht, lebt von Debatten und findet an Orten statt, die von Geschichte und Verantwortung geprägt sind. Umso mehr habe ich mich gefreut, in diesen Tagen wieder eine engagierte Besuchergruppe aus meinem Karlsruher Wahlkreis in der Bundeshauptstadt begrüßen zu dürfen.

Vier Tage lang tauchten die Teilnehmer:innen intensiv in das politische Berlin ein, erhielten exklusive Einblicke hinter die Kulissen der Bundespolitik und erlebten hautnah, wie aufgewühlt die Debatten im parlamentarischen Alltag derzeit verlaufen.

Vom Ministerium bis ins Bundeskanzleramt

Das Programm bot dieses Mal seltene Einblicke in den „Maschinenraum“ unserer Republik. Im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) informierte sich die Gruppe aus erster Hand über die Struktur des Hauses sowie über die aktuellen Vorhaben in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.

Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch im Bundeskanzleramt. Bei einer Führung durch die Räumlichkeiten der höchsten Exekutive Deutschlands wurden die sonst eher aus den Nachrichtensendungen im Fernsehen bekannten Kulissen – von der Regierungsbank bis zum Kabinettsaal – mit Leben gefüllt.

Zwischen Schock und parlamentarischer Realität

Besonders einprägsam – und von vielen als aufrüttelnd beschrieben – war der Besuch im Deutschen Bundestag. Die Karlsruher Gruppe verfolgte von der Tribüne des Reichstagsgebäudes aus eine Plenarsitzung, in der ein Antrag der AfD-Fraktion debattiert wurde.

Dabei erlebte die Gruppe live, in welch unwürdiger Weise die Extremisten die Umgangsformen und die Tonlage im Parlament strapazieren: Infolge bewusst provozierter Regelverstöße und verbaler Entgleisungen musste die stellvertretende Bundestagspräsidentin mehrfach ordnend eingreifen. Für viele Besucher:innen war dieser direkte Eindruck von der Tribüne ein Schock. Das Gesehene und Gehörte ließ meine Gäste irritiert zurück, veranschaulichte aber zugleich mit ungeschminkter Deutlichkeit, wie intensiv der Abwehrkampf zum Schutz unserer Demokratie mittlerweile auch im Plenarsaal geführt wird.

Im anschließenden Abgeordnetengespräch im Reichstagsgebäude gab es viel Raum, um diese Eindrücke aufzuarbeiten. Wir diskutierten intensiv über die aktuelle Debattenkultur, meine parlamentarische Arbeit und drängende Fragen aus unserem Wahlkreis. Beim anschließenden Fototermin auf der Kuppel des Reichstagsgebäudes konnten die Gäste den Blick über die Hauptstadt ganz unbehelligt von rechtsradikal motiviertem Gepolter genießen.

Erinnerungskultur an historischen Orten

Neben dem aktuellen politischen Tagesgeschäft stand auch die Auseinandersetzung mit den dunklen Kapiteln der jüngeren deutschen Geschichte auf dem Programm:

  • Gedenkstätte Berliner Mauer: An der Bernauer Straße wurde die Tragödie der jahrzehntelangen deutschen Teilung mit all ihren Schrecken, mit den vielen Schicksalen unter anderem an der Mauer auf eindringliche Weise erlebbar. Dies verdeutlichte einmal mehr den unschätzbaren Wert, den die Wiedervereinigung für unser Land bis heute hat.
  • Haus der Wannsee-Konferenz: Ein besonders bewegender Programmpunkt war die Führung im Haus der Wannsee-Konferenz. Am historischen Ort der bürokratisch geplanten Vernichtung der europäischen Juden wurde allen Beteiligten noch einmal bewusst, warum das „Nie wieder“ das unumstößliche Fundament unseres Grundgesetzes bilden muss.

Demokratie braucht Menschen, die hinschauen

Ob Stadtrundfahrt per Bus, politische Fachgespräche oder das Erleben historischer Erinnerungsorte – die Tage in Berlin haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig der direkte Austausch ist. Demokratie lebt vom Hinsehen, Mitdiskutieren und Einmischen.

Ein herzliches Dankeschön an meine Gäste für ihr großes Interesse, die intensiven Diskussionen und die Bereitschaft, Demokratie nicht nur aus der Distanz, sondern direkt vor Ort zu begleiten!