Cyberkriminalität kennt keine Grenzen. Digitalisierte Infrastrukturen, Ransomware-Angriffe und KI-gestützte Bedrohungen machen deutlich: Der Schutz unseres digitalen Raums erfordert nicht nur modernste Technologie, sondern auch eine enge Vernetzung von Politik, Ermittlungsbehörden und internationalen Partnern. Um mich vor Ort über aktuelle Strategien zur Bekämpfung der organisierten Internetkriminalität zu informieren, habe ich Anfang Juli 2026 gemeinsam mit meiner Mentee Isra Deniz das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden besucht.
Der Besuch fand im Rahmen des Mentoringprogramms „Diversify“ der Bundesstiftung Migration statt. Das Programm setzt sich gezielt dafür ein, gesellschaftliche Vielfalt in Politik, Verwaltung und Führungspositionen zu stärken. Durch die Begleitung von Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern erhalten hochqualifizierte Mentees wie Isra direkte Einblicke in politische Prozesse, parlamentarische Abläufe und die Arbeit zentraler Sicherheitsbehörden des Bundes. Der gemeinsame Termin beim BKA bot somit nicht nur fachliche Einblicke, sondern auch Gelegenheit zum Austausch über moderne Personalgewinnung und Vielfalt in Sicherheitsbehörden.
Internationaler Ermittlungserfolg: Die „Operation Endgame“
Im Mittelpunkt unseres Fachgesprächs stand unter anderem die international koordinierte „Operation Endgame“ – eine der bislang umfassendsten und erfolgreichsten konzertierten Aktionen gegen die globale Infrastruktur von Cyberkriminellen.
- Hintergrund der Operation: Unter Federführung internationaler Partner wie Europol, Eurojust, dem BKA sowie US-amerikanischen und europäischen Ermittlungsbehörden richtet sich die Operation gezielt gegen sogenannte Malware-Loader und Botnetze (wie IcedID, SystemKB, Bumblebee, Smokeloader oder Pikabot). Diese Schadsoftware-Familien dienen kriminellen Netzwerken als digitale „Türöffner“, um Netzwerke von Unternehmen, kritischer Infrastruktur und öffentlichen Einrichtungen zu infizieren und im Anschluss Erpressungssoftware (Ransomware) einzuschleusen.
- Erfolge und jüngste Ausbaustufe: Mit den fortlaufenden Ermittlungsmaßnahmen und der jüngsten Ausbaustufe ist den Behörden ein nachhaltiger Schlag gegen die kriminelle Logistik gelungen. Durch die koordinierte Übernahme und Abschaltung zentraler Steuerungsserver (Command-and-Control-Server), die Neutralisierung tausender kriminell genutzter Webseiten sowie die Sicherstellung von Millionen entwendeter Zugangsdaten wurde den Tätern die operative Basis für millionenschwere digitale Erpressungen entzogen.
Herausforderungen der Zukunft: Von Ransomware bis KI
Neben den Erfolgen der Operation Endgame vermittelten uns die Expertinnen und Experten der BKA-Cybercrime-Abteilung auch ein realistisches Bild der aktuellen Bedrohungslage. Insbesondere die zunehmende Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) durch kriminelle Akteure – etwa zur Erstellung hochgradig überzeugender Phishing-Nachrichten, automatisierter Schadcode-Anpassungen oder zur Optimierung von Angriffsvektoren – stellt die Strafverfolgung vor neue Aufgaben.
Der Besuch hat eindrucksvoll gezeigt, wie essenziell die Kombination aus spezialisiertem Know-how, internationaler Kooperation und adäquater gesetzlicher Handhabe ist.
Unser herzlicher Dank gilt dem gesamten Team des Bundeskriminalamts für die offenen Gespräche, die tiefgehenden Einblicke in die tägliche Ermittlungsarbeit und den unermüdlichen Einsatz für die digitale Sicherheit unseres Landes.